Allgemein

Von Jungfrauen, Schuhbandln und noch mehr
28 Sep 2008 - 20:17:16
Eine kleine Einsicht in die Kunst Kinder spielend grosszuziehen, ohne sie zu verderben.

Vorneweg muss ich gleich eingestehen, ich bin niemals Mutter gewesen (ausgenommen Mami meiner vielen Fellis), also kommen diese Hinweise aus der reinen Lebenserfahrung mit wunderbaren Eltern aufgewachsen zu sein. Ich schaetze mich gluecklich meine Mutter noch heute bei mir zu haben, neimand auf der Welt versteht mich so gut wie sie, hat soviel Geduld mit mir, weiss immer den besten Rat, ohne bevorzumunden (ich kann leider nicht von mir behaupten, dass ich ihn immer befolge, *lol*). Mein Sternzeichen ist Jungfrau, einigermassen wichtig im Auge zu behalten, beim lesen dieses Beitrags, obwohl die Tips wahrlich nicht nur fuer diese (Gluecks-)Kinder vorbehalten und anwendbar sind. Ich erklaere dies, weil Jungfrauenkinder grundsaetzlich kein Herdenvolk sind,  alles gerne befragen, gerne Zeit haben die Welt fuer sich zu entdecken, ohne von Hast und Konventionen getrieben oder eingeschraenkt zu sein, gerne auch mal nur die Stille geniessen, und nicht jede Sekunde mit Freunden oder Familie verbringen muessen oder wollen. Und wenn es nur menschenmoeglich ist, dann finden sie gerne auf sehr persoenliche Art heraus, wie es zur Loesung eines Problemes kommt, die zum gleichen Ergebnis fuehrt wie in der Norm, aber auf anderem Weg verfolgt wird. Ein Beispiel dafuer -- als es Zeit wurde zu lernen, wie man die Schuhbaender richtig bindet, so nach Motto Hase mit Schlaufe, hat sich Cindy nicht angesprochen gefuehlt. Habe es zwar oefters geuebt, konnte es jedoch nicht mit meinem Verstand vereinbaren die Sache so kompliziert anzugehen. Habe mit Stolz meiner Mutter meine Loesung zum Problem vorgefuehrt, und nachdem Mama sich davon ueberzeugen konnte, dass ich nicht mit herumwehenden Schunbandln und offenen Schuhen herumlaufen wuerde, ist es auch dabei geblieben (bis zum heutigen Tag). Klingt kompliziert, nicht? Meine Mutter sagt immer, mit Jungfrauen ist es nicht leicht...aber sie wuerde mich fuer nichts auf der Welt eintauschen wollen. Wir sind meist freigebig, logisch im Denken, und ohne Ego, Langeweile kommt nicht in unserem Wortschatz vor, nur eines duerfen wir niemals spueren, und das ist das Gefuehl des Zwangs. Zum Beispiel, bin ich nie dazu gezwungen worden meinen Teller zu reinigen, weil meine Mutter sich nicht einbilden wollte, wie hungrig ich gerade an dem Tag gewesen sei. Wenn man ueberhaupt von "Zwang" reden will, weil es nach Umstellung von Babynahrung auf festes Essen nunmal erforderlich war, dann haben die Eltern das mit Verstaendnis durchgefuehrt, sodass ich bei allen Gerichten, besonders bei Gerichten worauf Kinder normalerweise nicht fliegen, immer die Wahl hatte, indem sie sagte: "Davon gebe ich Dir nur wenig zum kosten, weil das nur Erwachsene moegen, und Kinder oft nicht." Worauf meine Antwort nach dem Kosten war: "Bitte noch." Daher gibt es heute kaum etwas, dass ich nicht wenigstens einmal gerne probieren moechte, und dies nicht nur in bezug auf Essen. Und noch ein Schwank aus meiner Jugend als ich gerade vier Jahre alt war, dass sich in Wohlgefallen aufgeloest hat -- als Baby hatte ich alle Tiere lieb, hatte niemals Furcht vor ihnen, habe immer meine Hand weit aus dem Kinderwagen gestreckt, auch den groessten Hunden entgegen, dann sind wir durch Papas Arbeit nach Prag versetzt worden, leider bin ich dort durch ein Kindermaedchen zu Angst erzogen worden, trotz den Bemuehungen meiner Mutter dies mir auszureden. Meine Mutter konnte dies nicht mitansehen, ist nach Nuernberg gefahren und ist mit einem Pudelwelpen namens Axel nach Hause gekommen, hat mir dabei erklaert, wie ich voellig verstoert und hysterisch war, dass ich gerne ab jetzt auf dem Sofa leben duerfe. So hab ich es auch ca. zwei Wochen ausgehalten, dann kam die Friedenspfeife mit dem Hund, und den Rest kennt Ihr ja...

Ich bin dankbar, dass meine Grosseltern und meine Eltern immer mit der Zeit Schritt gehalten haben, und es daher nie zu Luecken zwischen den Generationen gekommen ist. Ich hatte immer Ansprechpartner die mich fuer voll genommen haben, sich Zeit mit mir genommen haben, und ich nicht das Gefuehl jemals hatte erst durch Barrieren brechen zu muessen.  Ich musste niemals bis zum heutigen Tag nicht meinen Wunsch "selbermachen" aufgeben. In der heutigen Welt, wo so oft Unzufriedenheit und Kommunikationsblokaden zwischen Kindern und Eltern herrschen, rechne ich mich als unter einem Gluecksstern geboren. Thanks Mom and Dad, I love you.

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Kategorien: St. Wuschels Diary
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Kommentare

Kommentar von: Rita [ Besucher ]
Hallo Cindy,
der Trick mit dem Essen probieren ist wirklich gut. Schade, dass ich ihn nicht schon vor 27 Jahren kannte. Denn mit unserem jüngeren Sohn habe ich damals oft Stress gehabt. Aus meiner Kindheit wusste ich noch: alles muss wenigstens probiert werden!!! Das wollte unser Jüngster jedoch nicht akzeptieren, und hat oft stundenlang vor seinem Essen sitzen müssen.
Sorry, lieber Sohn, im Nachhinein. Meinen Enkelche (sofern ich jemals welche haben werde) würde ich solche Strapazen niemals antun!! Aber ich war damsl noch jung, eigentlich viieeeel zu jung (26 J.) und habe in punkto Kindererziehung - leider kann ich jetzt nur sagen - zu oft auf meine Eltern gehört (die nicht so verständnisvoll wie deine Eltern waren)
   30.11.08 @ 15:56:43
Kommentar von: quargl [ Mitglied ]
Rita, ich habe keine Zweifel, wenn das Glueck einmal einschlagen sollte, und Du doch Oma mit Leibe und Seele sein darfst, dann werden Deine Enkel von ihrer coolen Omi begeistert sein, denn sie hat tatsaechlich vom Leben gelernt! Ich drueck Dir dazu Daumen, ich weiss wie lange Du schon sehnlichst drauf wartest.
Deine Cindy
   01.12.08 @ 09:12:54

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